Von Marie-Theres Auer
Ein Interview mit der „Alten WU“ aus dem Jahr 2080
Vor 50 Jahren stand das Schicksal des “gläsernen Riesen vom Alsergrund” auf der Kippe. the
incentive hat ihn nun zum Interview getroffen.
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Liebes UZA, wie geht es Ihnen heute?
alte WU „Ausgezeichnet, ich kann nicht klagen. Ich fühle mich jeden Tag wie neu geboren.“
Dabei hätten Sie vor ein paar Jahren fast abgerissen werden sollen.
alte WU „Ja, das war schon knapp. Zum Glück gab es Menschen, die an mich geglaubt haben. Sie haben mir sogar Post-it mit stärkenden Botschaften an meine Säulen und Stufen geklebt. Das macht Mut.“
Wie sind Sie zu Ihrer neuen Bestimmung als Multi-Used Space gekommen?
alte WU „Die Wahrheit ist, dass die Menschen mich schon immer vielfältig genutzt haben, ich war schon immer ein sogenanntes “Schwammgebäude”, das unterschiedliche Funktionen in sich vereint hat. Ich will ein Raum sein, mit dem Menschen flexibel umgehen, den sie immer wieder neu gestalten.“
Sie haben also nie an Denkmalschutz gedacht?
alte WU „Nein, niemals.“
Eine Frage, die mich brennend interessiert: Wie fühlen sich die Bahngleise unter ihrer Platte an, kitzeln die nicht wahnsinnig?
alte WU „Die Platte ist ein statisches Meisterwerk und wird regelmäßig auf die Auswirkung der Schwingungen durch den Bahnverkehr kontrolliert – da spür ich also nichts. Ich bin aber froh, dass die Parkplätze weg sind. Die Autos haben sich immer wie Ameisen angefühlt, die im eigenen Bauch krabbeln.“
Auf was sind Sie stolz?
alte WU „Die Rutsche über den Donaukanal ist natürlich ein Highlight, vor allem für Touristen. Aber eigentlich bin ich hier für die Menschen, die mich täglich nutzen. Es gibt viele, die regelmäßig herkommen, nur um sich kurz in meinen Grünflächen niederzulassen, auf den Spielplatz zu gehen oder einen Kaffee zu trinken. Ich bin jetzt fester Bestandteil des Bezirks um mich herum, und darauf bin ich stolz.“
Sie sind ja ein sogenanntes Leuchtturmprojekt. Spüren Sie diese größere Verantwortung, in Sachen Umweltschutz auch weiterhin alles richtig zu machen?
alte WU „Also, ein Turm bin ich auf keinen Fall, da müssen Sie mit dem UZA II reden. Ich bin stolz darauf, ein Beispiel zu sein, dass es anders geht. Wer ein Gebäude einfach abreißt, verpasst die Chance, Neues im Bestand zu entdecken, und dafür stehe ich. Aber ich stehe nicht allein, es gibt viele tolle Gebäude, die innovative neue Standards gesetzt haben. Die Verantwortung, dass es in diese Richtung weitergeht, tragen wir, denke ich, gemeinsam.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Bestand?
alte WU „Auf die eine oder andere Weise werde ich bestimmt Bestand haben. Wie genau? Da möchte ich mich vielleicht überraschen lassen!“